Der Solidaritätskreis gegen Entlassungen und Abmahnungen bei VW Hannover berichtet:
28. April 2026: Hannover: Solidaritätskreis gegen Entlassungen und Abmahnungen bei VW: Kollegen des VW-Werks Hannover wie auch der anderen Werke sind besorgt über den Erhalt und die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Der VW-Vorstand hat aktuell in Zusammenarbeit mit Beratern der Boston Consulting Group eine Bestandsaufnahme des VW-Konzerns vorgenommen. Dabei gehen sie von Überkapazitäten in der Produktion aus. „In den Unterlagen an die 20 Aufsichtsräte sollen vier Werke aufgelistet worden sein, die als besonders kostenintensiv gelten: Die Werke in Emden und Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk in Hannover und die Audi-Fabrik in Neckarsulm.“( Hannoversche Allgemeine Zeitung; 29.4.2026) Auch wenn in dem Papier wohl nicht explizit von Werksschließungen die Rede ist, steht die Zukunft dieser Werke auf dem Spiel.
„Der VW-Aufsichtsrat hat dem Vernehmen nach am Montag (dem 27.4.) über ein umfangreiches Sparprogramm beraten.“ (HAZ; 29.4.26) Damit will man offenbar deutlich über die bereits drastischen Sparprogramme mit dem Verlust von 35.000 Arbeitsplätzen bei der Kernmarke VW bis 2030 hinaus gehen. Im März hatte die Bild-Zeitung berichtet, dass die Beraterfirma Mc Kinsey vorgeschlagen haben soll, acht Werke im VW-Konzern zu schließen. Mc Kinsey hatte aber keinen offiziellen Auftrag von VW erhalten, das ist bei der Untersuchung der Boston Consulting Group anders.
Die Vernichtung von Arbeitsplätzen im noch größeren Stil als bisher steht auf der Tagesordnung, von dem die Kollegen im gesamten VW-Konzern betroffen sind. Werksschließungen durchzusetzen wird der VW-Vorstand versuchen, der entschlossene Widerstand dagegen von der IG Metall und den gesamten Kollegen ist notwendiger denn je. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz bei VW ist eine Aufgabe von existenzieller Bedeutung für alle Kollegen und ihre Familien.
Auf dem Treffen des Solidaritätskreises gegen Entlassungen und Abmahnungen Hannover am 24. April 2026 war diese Nachricht noch nicht bekannt. Wir haben über das Verteilen unseres Flugblatts vor den Werkstoren berichtet, in dem darüber berichtet wird, das VW 500 Abfindungsverträge angeboten hat, die VW einer mehrfachen Anzahl von schwerbehinderten Kollegen per Brief geschickt hatte. Diese Kollegen sollen so aus dem Betrieb gedrängt werden. So will sich VW dieser für sie teuren Arbeitsplätze entledigen. VW will sich so am zu Recht hohen Kündigungsschutz dieser Kollegen vorbei mogeln. In Hannover hat nur ein kleiner Teil dieser Kollegen das Angebot von VW angenommen. Natürlich dürfte auch VW bekannt sein, dass schwerbehinderte Kollegen es schwer haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Auch auf der Betriebsversammlung und in der Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“ wurde dieses Vorgehen von VW kritisiert.
Massiv betreibt VW in Hannover die Jagd auf erkrankte Kollegen, die nicht nur mit Gesprächen unter Druck gesetzt werden, sondern denen auch vermehrt gekündigt wird. Dabei werden haarsträubende Methoden angewandt. Unter anderem kann Kollegen beim Personalgespräch eine „Bewährungskündigung“ ausgesprochen werden. Die ausgesprochene Kündigung wird nur dann unwirksam, wenn z. B. im nächsten halben Jahr keine Krankmeldung auftritt. Dabei ist natürlich auch VW bekannt, das bestimmte Erkrankungen nicht auf Knopfdruck verschwinden können.
Der Umgang mit erkrankten Kollegen vom VW-Konzern ist auch in den Medien kritisiert worden am Beispiel von der Unterfirma Volkswagen Group Services – unter eindeutiger Verletzung von Datenschutzbestimmungen. „Demnach trafen sich Projekt-Leiter und-Manager seit Juni 2025 im Rahmen einer ´Initiative Fehlzeitenquote´ und sprachen dabei über Beschäftigte.“ Dort sollen „Namen, Alter und Fehlzeiten von Mitarbeitern besprochen worden sein. Auf den Powerpoint-Präsentationen hätten sich demnach auch sensible Informationen zur Gesundheit befunden. Laut ´Spiegel´ soll es auch darum gegangen sein, auffällig Beschäftigte zu identifizieren. Das Unternehmen weist diese Darstellung zurück.“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung; 20.4.2026)
VW sah sich gezwungen, 600 Mitarbeitern, das sind 6% der bei Volkswagen Group Services Beschäftigten, einen Brief zu schicken, in dem sie über die Datenschutzverletzung unterrichtet wurden. „Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit, Datenschutz habe einen hohen Stellenwert.“ (HAZ; 20.4.26) Aber erst, nachdem VW beim Schummeln erwischt wurde, sollte man hinzufügen. Auch bei anderen Beschäftigten bei VW muss man ein ähnliches Vorgehen befürchten.
Bei dem Prozess gegen Jörn Kleffel, der gegen seine Abmahnung in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht klagt, wird der Prozess in den nächsten Monaten stattfinden. Er hatte im November 2024, als die Meldung aufkam, das VW einen Großteil der in Hannover stattfindenden Produktion nach Polen verlagern wollte, für kurze Zeit die Montagelinie angehalten, um als IGM-Vertrauensmann die Kollegen darüber zu informieren und mit ihnen zu diskutieren. Auch wenn diese Produktionsverlagerung dann doch nicht stattfand, kam die Abmahnung schriftlich später. Uns muss es darum gehen, am Beispiel dieser Abmahnung und dieses Prozesses deutlich zu machen, wie VW bei einem angedrohten massiven Arbeitsplatzabbau die Kollegen davon abhalten will, sich darüber zu beraten und sich dagegen zu organisieren. Wenn die Zukunft der Kollegen auf dem Spiel steht, ist es ihr Recht, sich zu beraten und zu organisieren, als Gewerkschafter und ganz allgemein als Kollegen. Gerade in der sich jetzt aktuell zuspitzenden Lage gewinnt die Diskussion darum immer mehr an Bedeutung.
Flyer des Solidaritätskreis gegen Entlassungen und Abmahnungen bei VW - Vorderseite
Flyer des Solidaritätskreis gegen Entlassungen und Abmahnungen bei VW - Rückseite
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